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Kjölur 2001
Bericht über eine Skiwanderung
vom 27.3. bis 8.4.2001, die im wesentlichen
längs der Hochlandroute "Kjölur" verlaufen sollte:
Von Svartárdalur im Norden zum Gullfoss im Süden.
1. Tag: Flug MUC - CPH - KEF. Auf die Minute pünktlich Landung
in Keflavík. Es ist kalt (ca. -5 C) und windig. Viel Schnee
scheint nicht zu liegen.
Am Nachmittag holen wir unsrere
Schlitten
(Fjellpulken) bei Cargolux (Heiðisgata) ab: Der Transport über die
Spedition Rohde & Liesenfeld in München
kam uns mit knapp 300 DM deutlich billiger als die Mitnahme im Flugzeug,
da Schlitten nicht standardmäßig kostengünstig transportiert
werden - nicht mal von Icelandair. (Inzwischen haben sich die Preise
locker verdoppelt und die Mtnahme im Flugzeug ist billiger.)
Außerdem konnten wir sie noch
mit 45 kg Gepäck vollstopfen, das wir demnach nicht mehr selbst
transportieren mussten. Anschließend fahren wir zu
Landsbjörg, um unseren
Tourenplan zu hinterlassen. Das ist zwar nicht obligatorisch, empfiehlt
sich aber aus Gründen der Sicherheit. Deshalb leihen wir uns
auch bei Síminn ein NMT-Mobiltelefon.
In Island gibt es neben dem
bei uns üblichen GSM-Netz das von den skandinavischen Ländern
entwickelte NMT-Netz mit besonders großen Reichweiten. Während
GSM in Island
im wesentlichen zuverlässig nur längs der Ringstraße
funktioniert, soll
NMT auch große Teile des Hochlands abdecken.
Darauf sollte man sich
aber nicht verlassen: In Hvítárnes etwa hatten wir keinen
Empfang! (NMT wurde nicht weiterentwickelt und ist mittlerweile am aussterben.)
Schließlich kaufen wir noch den
nötigen Brennstoff (Reinbenzin, reinðað bensin) für die
Tour. Wir rechneten 1/4 Liter pro Person und Tag, was sich
ganz gut bewährt hat. Große Mengen Benzin zu kaufen kann ein
Problem sein, da meistens im Laden nicht so viel vorrätig ist. Auch
wir mussten am nächsten Tag nochmal wiederkommen, da vor uns ein
jemand 20 Liter gekauft hatte. Wir sind offenbar nicht die einzigen auf Tour.
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2. Tag: Heute soll uns "Abbi" (Arinbjörn Jóhannsson) abholen,
um uns nach Brekkulækur
im Norden zu bringen, wo wir die Nacht verbringen und morgen weiter nach
Svartárdalur fahren werden. Dort soll die Tour beginnen.
Abbi hat in Deutschland studiert, spricht fließend deutsch und organisiert normalerweise Reittouren. Sein Hof Brekkulækur ist dementspechend gut
für Gäste eingerichtet, insbesondere die Fußbodenheizung hat
im Winter einen ganz besonderen Charme. Davon später mehr. Jetzt steht erst mal die Fahrt nach Norden in Abbis altem Transit an. Das Wetter ist schon
in Reykjavík recht stürmisch und verspricht im Norden richtig
schlecht zu werden: Es ist noch gar nicht klar, ob die Ringstraße
von Borgarnes in den Norden
passierbar ist. Unterwegs versagt unsere Lichtmaschine, aber
hilfsbereite Bekannte von Abbi
reparieren sie in Rekordzeit. Nach einer
halben Stunde fahren wir weiter nach Norden, das Wetter wird immer
schlechter, der Wind weht uns bei
der Überquerung des Borgarfjörður schier ins Wasser. Kurz darauf
beginnt der Anstieg zum Pass, draußen sieht es mittlerweile derart
apokalyptisch aus, dass mir beim Gedanken an unsrere bevorstehende Tour
richtig schlecht wird; Gerd dreht sich ab und zu um und liest meine Gedanken
an der Gesichtsfarbe ab. Kurz vor der Passhöhe stehen einige
Laster rechts am Straßenrand, schemenhaft sind die Fahrer in
Blaumännern durch den treibenden Schnee zu erkennen. Abbi steigt aus und
erkundigt sich. Als er zurückkommt erklärt er, dass die Lastwagen
ohne Schneeketten wohl den nächsten Hügel nicht meistern, die
Fahrer sind dabei, welche aufzulegen. Uns was machen wir? "Wir legen keine
auf", sagt er, "Ich hab sowieso keine." Na denn. Wir kommen drüber,
Abbi fährt in einer aberwitzigen Geschwindigkeit, Wetter- und Straßenverhältnisse haben keinen nennenswerten Einfluss auf seinen Fahrstil.
In Brekkulækur lernen wir Abbis Frau Claudia aus Rosenheim kennen. Ich
bekomme mein erstes echt isländisches Essen, obwohl ich schon zum
vierten Mal in Island bin: Gekochten Schellfisch, Kartoffeln, süß-saure Gurken und Rote Beete. Schmeckt ausgezeichnet. Überhaupt ist
Brekkulækur der reine Luxus: Die schon erwähnte
Fußbodenheizung, Dusche und - "Weil Ihr ja jetzt immer im Zelt
zusammen seid" (Claudia) - nochmal ein Einzelzimmer.
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3. Tag: Aufstehen gegen 8, nochmal duschen und gemütlich
frühstücken. Sonniges, kaltes Wetter, mäßiger
Wind. Claudia zeigt uns auf unseren Wunsch hin noch die
, wunderschöne Tiere. Ein Jammer,
dass ich nicht reiten kann. Es hat Schnee durch die Ritzen in die
Scheune geweht, was ungewöhnlich ist und vom starken Wind der
letzten Tage zeugt.
Schließlich fährt uns Abbi mit dem Transit ins Svartárdalur,
nicht ohne nochmal nachzuhaken, warum wir im nördlichen
Streckenabschnitt östlich der Blandá gehen wollen,
damit durch den Fluss von der belebteren Kjölur
abgeschnitten. Er macht sich wirklich Sorgen und treibt in
Blönduos noch die
Koordinaten zweier Notschutzhütten
(Áfangi und Galtará)
auf - für alle Fälle. Wovon uns aber allenfalls Galtará
etwas nützen könnte, da Áfangi jenseits der Blandá liegt.
Wir fahren das Svartárdalur hinunter bis Abbi beim Hof Steiná
in einer Schneewehe stecken bleibt (absehbar!). Wieder mal kennt er
einen Bauern der Umgebung, der ihn tatsächlich nach ca. einer 1/4 h
mir dem Traktor rauszieht. Wir richten derweil unsere Pulkas her,
machen uns bereit. Letzte , Abschied.
Es geht gemächlich die Straße lang, meist am Rand, da nur
wenig Schnee liegt. An zwei Stellen ziehen wir die Schlitten rasselnd
über den Dreck. Am Hof Hvammur läuft kläffend ein Hund
auf uns zu, eine Art isländischer Schäferhund und begleitet
uns. Eine Stunde später machen wir im Windschatten einer
Scheune , ich spiele mit dem Hund. Das
ist vielleicht ein Fehler, er wird immer anhänglicher. Es ist
sonnig bei kräftigem, kalten NO-Wind. Der Weg folgt der Straße
bis zum letzen Hof Fossar, wo wir
. Der Aufstieg ist
ziemlich steil und die Schlitten haben ihr Maximalgewicht von etwa
45 kg. Wir gehen langsam, der Hund ist immer bei uns, was uns
zunehmend Sorgen bereitet. Was wenn er uns nicht verlässt?
Es ist fast 6 Uhr und wir beschließen kaum, dass wir oben auf der
Hochebene sind, zu zelten. Die Sonne ist jetzt schwach, der Wind aber immer
noch stark, so dass es sehr kalt wird. Gegen 1/2 9 wird es dunkel, ich
gehe nochmal aus dem Zelt und stelle entsetzt fest, dass der Hund immer noch
da ist. Wir lassen ihn nicht ins Zelt in der Hoffnung, dass es ihm
zu blöd oder zu kalt wird und er endlich umkehrt. Tatsächlich
hören wir die ganze Nacht nichts mehr von ihm.
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4. Tag: Gerd steht wie immer vor mir auf. Kaum draußen ruft er:
"Hund, weg!" Das darf nicht wahr sein. Noch im Schlafsack beschließe ich,
nach dem Frühstück wieder zum Hof Fossar abzufahren, um den
Hund abzuliefern. Nach dem üblichen
Trockenmilch/(Sólskins-)Müesli-Frühstück gehe ich
ohne Gepäck los, der Hund folgt mir. Nach etwa
20 min bin ich schon zum Hof abgefahren, wenigstens eine Gelegenheit, die
Tourenski zu nutzen. Tatsächlich sind Alpin-Tourenski, wie wir sie
benutzen für diese Art Tour nicht empfehlenswert: Sinnvoller, da
leichter und mit bequemerem Schuhwerk zu gehen, sind Backcountry-Ski.
Auf dem Hof ist niemand zu sehen. Ich rufe mehrmals laut "Hallo" -
keine Reaktion. Mist. Wenn ich jetzt zurückgehe, folgt mir der
Hund wieder. Ratlos schnalle ich mir die Ski wieder an, als ich leise
aus dem Wohnhaus "Halló?" höre. Eine alte Frau kommt aus
dem Haus, ich versuche ihr klarzumachen, was mein Problem ist. Sie
versteht es recht schnell und wir versuchen gemeinsam, den Hund zu
fangen, was uns zunächst nicht gelingt, bis die Frau die rettende
Idee hat: Sie geht ins Haus und kommt mit einer alten Jacke zurück.
Ich lulle den Hund mit Streicheleinheiten ein, während sie sich
von hinten mit der Jacke anschleicht. Schließlich wirft sie die Jacke
über seinen Kopf, ich packe ihn unten und gemeinsam tragen wir ihn
in einen Verschlag. Tür zu, Problem gelöst. Ich bedanke mich
und mache mich wieder an den Anstieg zu Gerd. Ohne Gepäck komme
ich schnell voran. Die ganze Aktion hat nur etwa 1 h gedauert.
Endlich geht es richtig los: Die nächsten 3 Tage bis Hveravellir
werden wir niemanden mehr sehen. Wir folgen anfangs der Piste, die
hier noch zu erkennen ist. Im Allgemeinen ist das nicht der Fall! Die
auf den Atlaskarten eingezeichneten Jeeppisten sind im Winter meist
verschneit. Nach kurzer Zeit verliert sich dann auch die
Spur und wir navigieren vor allem mit GPS. Die Landschaft ist sehr
eintönig und wird sich bis kurz vor Hveravellir auch nicht
wesentlich ändern. Einmal sehen wir ein Auto drüben auf der
Kjölur, jenseits der Blandá, fahren. Gegen abend erkennen
wir zwei Gebäude in unserer Marschrichtung liegend. Schwer zu sagen,
wie weit sie weg sind. Da der Wind wieder stark weht und die
Möglichkeiten das Zelt auf der dünnen Schneedecke zu befestigen
kaum gegeben sind, beschließen wir, im Windschatten dieser
Hütten zu campieren. Wir gehen auf sie zu, stundenlang, ohne dass
sie merklich näher rücken. Wir driften etwas von unserer Route
nach Osten ab, aber nicht sehr. Nachdem wir so lange auf dieses Ziel
zugegangen sind, können wir auch nicht mehr anders, als weitergehen,
egal wie lange es noch dauert. Als wir gegen 18 h schließlich
ankommen, sind wir psychisch und physisch völlig zermürbt.
Es handelt sich um einen
,
natürlich verschlossen,
mit zugehörigem Pferdestall. Wir beschließen, im Stall zu
übernachten, was angesichts des Sturms, der in der Nacht draußen
losbricht und der warmen, feuchten Strohballen, richtig gemütlich
wird.
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5. Tag:
Es ist fast windstill und sonnig. Das nächste Ziel ist
der
,
den wir ziemlich schnell erreichen. Die Landschaft
ist etwas abwechslungsreicher als gestern, der See liegt
zugefroren vor uns, dahinter im Süden zeigt sich eine Reihe
schöner Gipfel, spitz und markant. Wir gehen über den See
zum nächsten Wegpunkt, dem Steg über Haugakvísl.
Es hat sich zugezogen und fängt an zu schneien. Nach einer
kurzen, ungemütlichen Mittagspause gehen wir weiter Richtung
Mannabeinavatn. Der Schnee ist ziemlich pappig und wir versuchen
erstmals ohne Felle zu gehen, weil sich an den Fellen Stollen
bilden. Funktioniert mit Steigwachs gut.
Es schneit jetzt stärker, die Sicht wird schlecht,
wir verlieren die Piste wieder, nachdem sie zwischenzeitlich zu
erkennen war, und verlassen uns ganz auf das GPS. Wir verfehlen
den einprogrammierten
,
markiert durch einen der wenigen Steinmänner, nur um 60 m.
Etwa 2 km südlich stellen wir unser Zelt in einer Schneewehe
auf.
In Spitzbergen haben wir gelernt, dass auf
den Gletschern Bambusstöcke sehr gut als Häringe taugen. Deshalb
brachten wir etliche nach Island mit, wo sie aber nur begrenzt
nützlich sind: Die Schneedecke ist oft zu dünn, um einem
Bambusstock den nötigen Halt zu geben, ehe er auf den harten
Lavaboden trifft. Deshalb suchen wir geeignete Zeltplätze im
Tiefschnee, der eigentlich nur in Verwehungen zu finden ist. Nach der
üblichen Fertigmahlzeit (Ungarntopf? Indonesicher Reistopf?
Gemüserisotto?), aufgepeppt mit Tabasco und ein paar Kohlehydraten
(Couscous, Reis, Kartoffelbrei, Nudeln), legen wir uns hin.
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6. Tag: Wir wollen heute unbedingt Hveravellir erreichen. Die
Entfernung dorthin ist wie in den letzten Tagen etwa 20 km. Problem:
An meinen Fersen ist millimetertief die Haut abgerieben, der rechte
Fuß ist stark angeschwollen. Außer den Schmerzen macht mir
eine mögliche Infektion Sorgen. Wir haben keine geeignete
desinfizierende Salbe dabei, ein klarer Fehler in der Planung. Der
Weg nach Hveravellir wird heute jedenfalls sehr lang und sehr hart
werden.
Die Sicht ist schlecht, die Strecke führt erst einmal über
weites, ebenes Geläde, es ist wieder mal supereintönig: So stelle
ich mir das grönländische Inlandeis vor. Ich bin froh, als wir endlich die Abbruchkante hinab zur Blandá erreichen. Ich glaube
sogar Hveravellir zu erkennen, was Unsinn ist.
Die an dieser Stelle
zugeschneite Blandá überqueren wir ohne es zu merken.
Die Route führt hier über unzählige Grasbüschel, die
bei der geringen Schneelage deutlich zu spüren sind; immer wieder
müssen wir die schweren Schlitten über diese Unebenheiten
hinweg stemmen, was sehr anstrengend ist. Wir erreichen die Kjölur
und steigen zum Dúfunefsfell an, ich versuchs ohne Felle, was
grade so möglich ist. Der Anstieg zieht sich länger als
erwartet und ich freue mich schon auf die Abfahrt. Es wird aber keine
berauschende Abfahrt, der Schlitten bremst mehr als dass er schiebt.
Der Fluss bildet an der Westseite des Dúfunefsfell eine
Schlucht und man muss aufpassen, dass man bei schlechter Sicht die
Stelle (siehe GPS-Koordinaten DUFNEF), an der man
passieren kann, nicht verfehlt. Bei uns ist indes die Sicht mittlerweile
gut, es scheint eine milde Spätnachmittagssonne.
Gegen 18 Uhr erreichen wir schließlich . Endlich.
Eigentlich wollten wir immer zelten, aber die F.I.-Hütte hier
- und nicht nur hier! - ist einfach zu verlockend. Tatsächlich werden
wir bis Hvítárnes gar nicht mehr zelten, da ab jetzt immer
eine Hütte das Etappenziel sein wird und es einfach widersinning
wäre, sein Zelt neben einer leeren Hütte aufzustellen. Wir
wussten anfangs nicht, dass die Hütten alle offen sind und von
jedermann genutzt werden können; natürlich sind sie zu bezahlen,
was sich später in Reykjavík problemlos über Telefon
unter Angabe der Kreditkartennummer
regeln lässt. Es wird am Abend noch sehr gemütlich in der
warmen Hütte: Wir lernen drei isländische Skiwanderer kennen,
Fínnbogi, Magnus und Örn, und schlafen beinahe im
Hot Pot ein.
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7. Tag: In der Nacht beginnt es furchtbar zu stürmen,
der Wind heult um Haus und ich bin gottfroh, nicht im Zelt zu sein.
Fast genauso furchtbar ist die Ankunft von fünf isländischen
Musikern gegen Mitternacht (mit Jeep), die heute zu einer Skitour aufbrechen
wollen. Sie brauchen ca. 1 1/2 h bis sie in ihren Betten installiert
sind und übertönen dabei den Sturm.
Der Sturm hält auch am Tag an, von der Wetterstation erfahren wir,
dass er mit knapp 20 m/s bläst. Gegenüber der F.I.-Hütte
liegt das
(beheizt und mit Wasserspülung!). Wir haben Mühe, dessen Tür
gegen den Wind zu öffnen. Der perfekte Ruhetag. Auch unsrere drei
Isländer legen einen Ruhetag ein und erzählen uns unter anderem,
dass es nicht möglich ist, zum Gullfoss zu gehen: Ab Bláfellsháls liegt kein Schnee mehr. Wir müssen also unsere ursprüngliche
Planung ändern und bestellen von der Wetterstation aus ein
Mountain Taxi, das uns in
Hvítárnes abholen soll. Es kostet 25000 Kronen, etwa 580 DM.
Angesichts der Strecke ist das völlig in Ordnung.
Der Tag vergeht ziemlich ereignislos, es ist zu kalt für den Pool,
Magnus gibt mir für meine Füße eine Salbe, die
hervorragend wirkt und Örn bietet uns am Abend Hákarl an,
was wirklich eine Schweinerei ist.
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8. Tag: Magnus, Örn und Fínnbogi brechen
heute nach NW auf, gehen an der Nordseite des Langjökull Richtung
der Seenplatte Arnarvatnsheiði, wo sie Eisfischen wollen.
Der Wind bläst immer noch sehr stark, wenn auch ein wenig
schwächer als gestern. Gerd und ich haben jetzt jede
Menge Zeit, nachdem wir unsere Tour mangels Schnee kürzen mussten
und beschließen einen weiteren Tag zu bleiben: Kaffee trinken, essen,
lesen und Füße pflegen. Nachdem die drei gegengen sind,
beiben wir alleine in der Hütte zurück.
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9. Tag: Wir gehen weiter zur F.I.-Hütte in
Þjófadalir, die wir gegen 3 Uhr nachmittags erreichen.
Die
Hütte ist
winzig, ein Windfang und ein Raum mit Schlafkojen. Drinnen ist es
wesentlich kälter als draußen, wo es mittlerweile fast
windstill (!) ist und die Sonne scheint. Wir kochen drinnen ein Süppchen
("shrimps flavour", "duck flavour", "chicken flavour"?), ohne
den Daunenanorak auszuziehen. Es gibt kein Gas oder Wasser in der
Hütte, wir sind auf Schnee und den eigenen Kocher angewiesen.
Das Klohäuschen - natürlich Plumpsklo - ist voller Schnee und
nicht benutzbar.
Meinen Füßen geht es wieder besser dank Magnus' Salbe, so dass
ich angesichts des schönen Wetters und der kurzen Etappe zu
einer Skitour auf den
Þjófafell aufbreche. Von oben bietet sich eine
schöne Aussicht auf den Langjökull und das Hochland in Richtung
Hveravellir.
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10. Tag: Es ist warm geworden, um die Null Grad, leichter
Schneefall und Nebel, als wir gegen 1/2 12 in Þjófadalir
aufbrechen. Es ist wieder eine kurze Etappe nach Þverbrekknamúli,
die wir in höchstens 4 h schaffen sollten. Dachten wir wenigstens.
Wir treffen bald wieder auf die Kjalvegur
die auf diesem Abschnitt
durchgehend mit Steinmännchen gekennzeichnet ist. Das Wetter wird
schlechter, es fängt stark zu schneien an, ein nasser, pappiger Schnee,
der unter den Skien kleben bleibt: Auch ohne Felle bilden sich 10 cm
dicke Stollen. Die Sicht wird auch immer schlechter, die Konturen der
Berge sind längst in einem milchig-weißen Einerlei aufgegangen,
wir haben Mühe, den nächsten Steinmann zu sehen. Gar nicht
zu erkennen sind Unebenheiten im Gelände, d.h. während man
geradlinig auf den nächsten Steinmann zugeht, nimmt man jede
Bodenwelle mit, was sehr kräftezehrend ist. Wir kommen den Umständen
entsprechend langsam voran: Nur etwa 2 km/h. Das geht wenigstens drei
Stunden so, irgendwann geht mir das Weiß auf die Nerven, ich
suche irgendwelche Konturen in dieser Suppe aber da sind keine. Bei
exakt 19° 36' West verlassen wir die Kjalvegur
und kürzen ab, indem wir genau Richtung Süden gehen.
Die Überquerung des Flusses ist hier kein Problem, das wussten
wir schon von Magnus. Es bleibt weiß, nicht mal mehr
Steinmännchen. Meine Stimmumg ist auf dem Tiefpunkt. Nachdem wir
vielleicht 1/2 h nach Süden gegangen sind, kann ich undeutlich
die Umrisse von Bergen erkennen: Ich bin begeistert, die Stimmumg wird
schlagartig besser, ich bin selbst erstaunt, welchen Einfluss das auf
mich hat. Wir rasten nochmal kurz und nehmen den letzten, schweren Abschnitt
in Angriff: Es zieht sich lange an der Ostseite des Þverbrekknamúli bergan, ehe es zum Schluss wieder zur Hütte bergab geht. Von
Abfahrt kann aber nicht die Rede sein, weil die Stollen unter den
Skien das verhindern. Zwischen 6 und 1/2 7 kommen wir völlig
erschöpft an der schönen,
offensichtlich vergrößerten und renovierten Hütte an.
Auch hier sind wir wieder allein, was der schiere Luxus ist. Sogar
das Plumpsklo ist benutzbar.
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11. Tag: Da wir erst morgen in Hvítárnes sein müssen,
bleiben wir einen Tag in Þverbrekknamúli. Eigentlich wollte
ich die Gegend südlich des Hrútfell erkunden, aber der
,
der die Ebene bei der Hütte nach Westen und Südwesten begrenzt,
zwingt mich schon bald zur Umkehr. Statt dessen mache ich eine kleine
Skitour auf die umlie&genden Aussichtsberge Þverbrekkur und
Þverbrekknamúli. Dabei finde ich sogar einen
gefrorenen Wasserfall. Am frühen Nachmittag bin ich wieder zurück und
der Tag vergeht vollends wie üblich mit essen und lesen.
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12. Tag: Beim
Aufbruch ist das Wetter nicht schlecht, aber es windet wieder
recht stark, schätzungsweise 10 m/s. Der Weg nach Hvítárnes
führt über eine weite Ebene; in der Ferne sieht man immer den
Bláfell. Abgesehen vom Wind und dem damit einhergehenden Treibschnee,
der in 5 min die Ski so bedeckt, dass sie kaum mehr zu erkennen sind,
ist es eine ziemlich ereignislose Etappe. Wir erreichen unser Ziel schon
am frühen Nachmittag (Rückenwind!): Die sehr schöne, alte
und architektonisch reizvolle . Wie üblich sind wir allein, Gerd schafft es
sogar, den
Petroleumofen in Gang zu bringen, trotz isländischer
Gebrauchsanweisung.
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13. Tag: Ein strahlend sonniger Tag, den wir leider nicht wie
geplant nutzen werden: Um 2 Uhr ist das Mountain-Taxi bestellt. Wir zweifeln
kurz, ob es nicht vielleicht doch möglich wäre, bis zum Gullfoss
zu laufen, schließlich sieht es hier oben nicht so schlecht aus...
Aber das ist natürlich nur Gedankenspielerei. Gerd und ich werfen grade
noch einen Imbiss ein, als wir kurz nach Mittag Motorengeräusch
hören. Der Taxi-Superjeep fährt um die Hütte uns aussteigt
Kristján G. Kristjánsson.
Er spricht fließend deutsch und ist bester Laune wegen des
schönen Wetters. Kaum sind die Schlitten verstaut und wir auf dem
Weg zum Bláfellsháls, erfahren wir, dass er der Chef der
Mountain-Taxler ist und deshalb das Privileg genießt, sich "die lustige
Touren" aussuchen zu dürfen. "Wann müsst ihr in
Reykjavík sein?" Nichts Böses ahnend antworten
wir wahrheitsgemäß, dass uns das egal ist. "Dann können
wir ja über den Gletscher fahren!" Klar doch.
Er will allen Ernstes am Bláfell nach Westen auf den Langjökull
abbiegen, den Gletscher queren und irgendwo nördlich von Þingvellir
wieder runterfahren. Am Pass treffen wir einen anderen Jeep (keiner aus
Kristjáns Firma), der gerade mit zwei Touristen von einer
"Gletschertour" zurückkommt: Die Beiden unterhalten sich ein wenig und
es stellt sich heraus, dass der Kollege zwei Stunden gebraucht hat, um
200 m auf den Gletscher zu fahren, steckenzubleiben, und endlich mit
großer Mühe wieder 200 m zurückzufahren. Nachdem
Kristján uns das übersetzt hat, erklärt er gleichgültig:
"Wir fahren trotzdem." Kommt mir irgendwie bekannt vor.
Nach 200 m stecken wir erst mal fest, aber mittels einer ausgeklügelten
Schaukeltechnik, schafft es Kristján weiter auf festeren Schnee zu
kommen, was klar zeigt, dass er der bessere Fahrer ist. Eine zeitlang geht
das ganz gut, es ist schon ein tolles Gefühl in einem Jeep bei
strahlendem Sonnenschein über den Langjökull zu fahren.
Kristján gerät ins Schwärmen, wenn er von seinen geilsten
Gletscherfahrten erzählt: In einer Stunde über den Langjökull
bis Hveravellir, die Ohren vollgedröhnt mit passender Musik. Aber
das geht natürlich nur, wenn der Gletscher hart ist und eine gute
Piste abgibt. Nicht so wie heute. Schließlich erreichen wir
etwas nördlich der Jarlhettur einen steilen Abhang, drüben geht
es genauso steil wieder hinauf. Unser Fahrer wird stiller, voll darauf
konzentriert alte Spuren zu finden. Ohne Erfolg. Wir bleiben wieder
stecken. Wir schaukeln ein wenig und es geht wieder 5 m weiter.
Wohlgemerkt bergab! Fahren, festsitzen, schaukeln, so geht das etwa
eine Stunde. Wir sind immer noch nicht unten.
Kristján lässt
nochmal Luft aus den Reifen, was aber auch nichts nützt. Dann
verkündet er,
dass wir statt weiter über den Gletscher zu fahren,
nach Süden bei den
Jarlhettur hinab Richtung Gullfoss abbiegen. Sonst reicht das Benzin
nicht. Er ist die Strecke zwar noch nie gefahren, aber "zurück
kommen wir sowieso nicht mehr". Mit meiner Atlaskarte und GPS schaffen wir
es tatsächlich, den steilsten Hängen aus dem Weg zu gehen und
sind eine Stunde später auf der Piste vom Hagafell zum Gullfoss.
Unten ist tatsächlich kein Schnee mehr, mit den Schlitten
wäre es völlig aussichtslos. Nach einer kurzen Kaffeepause
am Geysir erreichen wir ein paar Stunden später Reykjavík.
Es war nochmal ein richtig toller Tag.
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