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Langjökull 2002
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1. Tag: Flug wie üblich über CPH nach KEF, Sonne über Ost- und
Südisland, ich erkenne Þórsmörk, den
Eyjafjallajökull, die Westmännerinseln. Ab den Bláfjöll
fliegen wir in den
Wolken, was sich bis zur Landung in Keflavík auch nicht ändert.
Unten 3 Grad, es regnet auf Schneereste. Gegen 6 kommen wir bei Anna im
Gästehaus an.
Abends treffen wir Hjámtýr und Úlfar.
Sie bringen uns zum
Gletscher und werden uns auch in Hveravellir wieder abholen. Außerdem
hat uns Hjámtýr schon seit Ende Januar bestens bei der
Routenplanung unterstützt: Wo ist der beste Aufstieg,
welche Abstiegsmöglichkeiten gibt es, wo ist auf
Spalten zu achten? Die Beiden kennen
den Gletscher ausgezeichnet und es war in
jeder Hinsicht 100% Verlass auf sie. Jetzt legen wir abschließend
die Route fest, da sich die Schneelage und damit der Anfangs- und Endpunkt
in den nächsten Tagen nicht wesentlich ändern wird. Wir werden
übermorgen zur Jaki-Hütte bei Geitlandsgígur fahren, um
dort auf den Gletscher bis auf eine Höhe von etwa 1300 m aufzusteigen.
Die private Hütte liegt auf knapp 800 m und ist mit dem Jeep relativ
gut zu erreichen, deshalb auch
ein beliebter Einstiegspunkt für Gletscherquerungen mit dem Auto oder
Motorschlitten. Sie bietet keine Unterkunft.
Oben auf dem Gletscher werden wir
dem Langjökull in westlicher
Richtung folgen, biegen dann nach Norden zum Péturshorn ab und
gehen von dort
weiter auf den Nordteil des Gletschers. Schließlich werden wir zum
Djöflasandur absteigen, die Dauðmannsgíl
passieren (Vorsicht bei
schlechter Sicht!) und uns dann von Norden Hveravellir nähern.
Später am Abend treffen wir Magnus, den wir im Vorjahr mit seinen
Freunden in Hveravellir kennengelernt haben. Er ist Künstler, berichtet
uns von seinem neuesten
Projekt und
führt uns in Reykjavíks Künstlerkneipe. Zurück im
Gästehaus wartet Anna's gerade mal 5 Monate alte
Katze auf uns.
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2. Tag: Wir bringen die Schlitten durch den Zoll und gehen
zu Síminn wegen NMT-Telefon. Nach den Erfahrungen im Vorjahr
waren wir etwas skeptisch, aber Hjámtýr versichert, dass
es auf dem Gletscher in der Regel gut funktioniert. Tatsächlich war es
so und wir haben uns dann jeden zweiten Abend bei ihm gemeldet. Später
bringen wir mit Úlfar die Schlitten zu Anna. Anschließend werden
die restlichen Einkäufe erledigt.
Das Wetter ist unterdessen saumäßig: Dauerregen, immer noch knapp
über Null. Aber Hjámtýr hat schon gestern versichert,
dass es ab morgen besser werden soll, und er hat Recht behalten. Trotzdem
erkälte ich mich bei Wind und Regen ohne Mütze (selber Schuld),
abends Halsweh.
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3. Tag: Hjámtýr und Úlfar holen uns
Punkt acht ab. Wir fahren über Húsafell nach Jaki. Unterwegs
schaun wir uns Europas größte heisse Quelle an, die Warmwasser bis
nach Borganes und Akranes liefert, immerhin etwa 60 km entfernt. Am Hraunfoss
halten wir: Hier beginnt der schwierige Teil der Strecke und Úlfar
muss den Wagen dafür präparieren. Wir schauen solange die
Wasserfälle an und lesen die Geschichte dazu: Eine isländische
Mutter hat eine natürliche Lavabrücke über den
reißenden Fluss kurzerhand eingerissen, nachdem ihre Kinder beim Versuch
diesen Brücke zu überqueren ertrunken sind. Deshalb Barnafoss.
Als wir weiterfahren kommen gerade ein paar "Arctic Trucks" und wir reihen
uns ein. An der ersten kniffligen Stelle bleiben
die beiden vor uns zögernd
stehen; Úlfar fährt einfach links vorbei durch den tiefsten
Schnee und Matsch und stellt damit die Verhältnisse wieder klar.
Angesichts der vielen Fahrzeuge frage ich, ob der Gletscher nicht
überfüllt sei: Nein, noch ist es nicht so schlimm, da die
Anfahrtswege in schlechtem Zustand sind - "the sunday drivers turn round".
Ich drehe mich um und es ist tatsächlich niemand mehr zu sehen.
An der Jaki Hütte sind dann aber doch noch einige Jeeps. Im Laufe des
Nachmittags werden wir sie aber alle aus den Augen verlieren, der
Gletscher ist groß, Gott sei Dank.
Letzter Kaffee aus der Thermoskanne, Abschied und Aufbruch. Wir steigen stetig bergan, aber
es ist nicht so steil, wie es auf der Karte den Anschein hat. Das Wetter
wird wie vorhergesagt immer besser, es ist mäßig kalt und
windig, ziemlich sonnig. Nach etwa 400 HM frischt der Wind deutlich auf,
fast stürmisch, und zwingt uns bereits für
die erste Rast ein Mäuerchen zu bauen. Das wird in den
nächsten Tagen noch zur Routine werden, kein Mittag und kein Abend ohne
Mauer. Gerd war sogar so spendabel, eine Schneesäge zu kaufen:
Unverschämt teuer, nicht unbedingt nötig, die Spaten tun's auch,
aber doch sehr praktisch, da sich große, ebenmäßige Ziegel
sehr schnell schneiden lassen. Die große "Zeltmauer",
um gegen mögliche Stürme in der Nacht
besser gerüstet zu sein, ist etwa 4 m mal 1,5 m und
wir bauen sie in einer knappen halben Stunde.
Nach der Mittagspause quälen wir uns
noch eine Zeit lang durch den "Schneesturm", ehe der Wind plötzlich
abflaut. Als ich zurückschaue, sehe ich, dass es tatsächlich ein
Sturm aus Treibschnee war, lokal deutlich begrenzt. Jetzt scheint
die Sonne, aber es ist kälter geworden. Wir haben den angepeilten
lokalen Gipfel bald erreicht und der Blick wird frei nach Westen in Richtung
des Bláfell. Kurz danach bauen wir das Zelt auf. Am Abend wird es sehr kalt, zu kalt um
einfach so noch im Zelt zu sitzen, wir beeilen uns, in die Schlafsäcke
zu kommen. Aber es wird noch kälter werden.
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4. Tag: Ich habe zwei Schlafsäcke. Daune innen und
einen ziemlich dünnen Kunstfaser Außenschlafsack. Das ist ein
Kompromiss: Ein extrem warmer Schlafsack, möglichst aus Daune, ist
besser, aber auch sehr teuer und sehr selten zu gebrauchen. Ins Kopfteil
des äußeren Schlafsacks habe ich meinen Daunenanorak gesteckt,
weniger als Kopfkissen, mehr als zusätzlichen Schutz gegen die Kälte,
die sich am Kragen ihren Weg ins Innere sucht (und findet). Das funktioniert
recht gut, ich friere jedenfalls nicht, ahne nur hin und wieder wie kalt es
im Zelt ist, wenn sich der Anorak verschiebt und die kalte Luft mir in den
Nacken fällt. In der Nacht müsste ich mal raus,
will aber nicht; gegen Morgen
halte ich es dann nicht mehr aus. Draußen bietet sich ein
wunderschöner Anblick: Im Osten ein erstes, zartes Licht, ein
hellgrün-blauer Streifen trennt das scheinbar endlose, nächtliche
Weiss des Gletschers von dem tief dunkelblauen Nachthimmel. Leider ist
es zu kalt, um die Kamera aus dem Zelt zu holen, ich verzichte auf ein
Bild.
Wolkenloser Himmel, als wir schließlich aufstehen.
Ziel ist es, heute möglichst nah an den Þursaborg zu kommen, der
praktisch genau in der Mitte des Langjökull liegt. Dieser Berg ist
eine sehr markante Felsformation, die plötzlich aus dem Gletschereis
ragt. Es ist
Sonntag, also der Tag mit den meisten Motorschlitten und Jeeps auf dem
Langjökull. Wir sehen aber erstmal keine, bis auf einen winzigen
Punkt weiter unten Richtung SO, der sich aber nicht bewegt: Offensichtlich
Motorschaden. Ansonsten bestätigt sich, was wir gestern schon
feststellten: Der Gletscher ist groß, wir werden Autos oder
Motorschlitten nur von weitem hin und wieder in der Sonne blitzen sehen.
Nach Osten bietet sich ein herrlicher Ausblick, links die Spitzen der
Kerlingarfjöll, dann der Bláfell, in der Ferne ist der Hekla
gut zu erkennen, weiter unten ragen ein paar der Jarlhettur über den
Gletscher. Die Sonne scheint ungetrübt, es ist fast windstill und
daher auf den ersten Kilometern ziemlich warm. Das ändert sich
schlagartig, als wir mittags nach Norden abdrehen. Es frischt noch
mäßig auf, wird aber sofort extrem kalt. Wieder ist an eine
Mittagspause ohne Schutzmauer nicht zu denken. Bald nach der Rast taucht
am Nachmittag während eines langen, sanften Anstiegs der
Þursaborg auf. Es sieht gar nicht so weit aus, aber das
GPS sagt 9 km und es hat wie immer Recht. Das sind wenigstens 3 h Marsch,
was heute nicht mehr zu schaffen ist. Wir
campieren etwa 5 km vor dem
Berg. Die Temperatur ist weiter gefallen, es ist unglaublich kalt.
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5. Tag: Diese Nacht ist wieder ein bischen kälter als
die letzte, ich vergrabe mich so tief in meinen Schlafsäcken, dass ich
fast ersticke, da kaum noch Luftaustausch. Dafür ist es vergleichsweise
angenehm warm, wenn auch ziemlich feucht. An der Grenze zur Frischluft
gefriert der feuchte Atem und es bildet sich eine Art Eiskragen.
Gerd legt sich nach dem Kochen zitternd in seinen
Schlafsack, ohne irgendetwas außer den Skistiefeln auszuziehen,
mit Daunenanorak und Mütze. Das Aufstehn in der Nacht klappt
jetzt schon besser: Ich öffne von Innen alle Reissverschlüsse
so weit wie nötig, richte mich auf, dabei hakt sich im Idealfall
bereits die Kapuze meines Daunenanoraks an meinem Kopf ein,
so dass ich nur noch blitzschnell in die Ärmel schlüpfen muss,
um wieder einigermaßen warm zu haben.
Am Morgen schneit es feinen Eisgriesel bei jeder Berührung der
Zeltwände. Jeden Abend wenn wir das Zelt aufstellen schaufle ich
ein paar Hände voll Schnee aus dem Zeltinnern, das gefrorene Kondenswasser
der letzten Nacht. Ich erwäge zum ersten Mal, mein Müesli
heiss zu essen, obwohl ich das hasse. Da mir Gerd aber sowieso nur
lauwarmes Wasser reicht, schmeiße ich dann doch lieber wieder
Schnee dazu, damit es wenigstens richtig kalt ist.
Da die Sicht unverändert großartig ist, wollen wir heute
an der Ostseite des Þursaborg vorbei, über die Westflanke
des Pétursborg hinauf auf den nördlichen Teil des
Langjökull. Einfacher zu gehen und etwas kürzer,
aber landschaftlich weniger
reizvoll ist der Weg westlich des Þursaborg. Nach etwa eineinhalb
Stunden geht es ziemlich steil bergan und der Wind frischt plötzlich
auf. Nach kurzer Zeit erreicht er Orkanstärke, subjektiv jedenfalls,
und natürlich von vorn. Ich sehe schlecht, weil mir trotz
Gletscherbrille die Augen tränen, sogar das Atmen fällt in
diesem Sturm schwer. Der
Schnee sieht so aus, als winde es hier häufig so: Verblasen und
knochenhart. Es knirscht bei jedem Schritt. Fast auf dem Gipfel des
Pétursborg blicke ich
zurück, sehen wo Gerd bleibt, unter mir der Þursaborg,
diesmal von der anderen Seite. Landschaftlich ist das wahrscheinlich
der schönste Teil der ganzen Strecke: Im Westen sehen wir den
Eiriksjökull,
den Hallmundarhraun und weiter bis Húsafell und das Meer bei Borganes;
auf der anderen Seite wie immer die Kerlingarfjöll, der Hrútfell
und bald liegt auch die Ebene von Hveravellir unter uns, mit dem
Þjófafell im Vordergrund, den ich im letzten Jahr
noch bestiegen habe, und dem Strýtur. Wir haben uns diese Gletschertour
nicht annähernd so abwechlungsreich vorgestellt, wie sie dann
tatsächlich war. Hinter jedem Hügel eine neue Aussicht.
Natürlich hätte es bei schlechtem Wetter auch ganz anders kommen
können.
Nach der Mittagspause mit gefrorenen Flatkökur und Südtiroler Speck
gehen wir weiter Richtung NO. Ein paar Motorschlitten
passieren uns, sie kommen offenbar von Þjófadalir/Hveravellir.
Gegen 4 Uhr legt sich der
Wind und eine halbe Stunde später schlagen wir das Zelt an einer
wunderschönen Stelle mit Blick auf den Kjalhraun auf.
Wir könnten hier wahrscheinlich sogar in Richtung
Þjófadalir absteigen. Kommt aber nicht in Frage,
da wir es erstens nicht überprüft haben und zweitens es hier
oben zwar kalt aber immer noch traumhaft schön ist.
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6. Tag: Es geht jetzt weiter sacht bergan auf den
höchsten Punkt
des nördlichen Teils des Langjökull, der
allerdings nicht eindeutig zu bestimmen ist. Im Norden tauchen neue Berge
auf, man erkennt sogar das Meer. Kurz vor dem "Gipfel" ein eigenartiges
Phänomen: Eine gezackte, wie mit dem Lineal gezogene Abbruchkante
im Schnee. War die Oberfläche vorher eisig und windverblasen, so wird
sie jetzt plötzlich weich, bei jedem Schritt sinken die Ski ein wenig
im Schnee ein. Bemerkenswerte Koinzidenz: Das Wetter scheint sich zu
ändern, wir haben plötzlich mäßigen Wind aus SW,
während wir die letzten Tagen immer den kräftigen Nordwind im Gesicht hatten.
Wir machen die erste Mittagspause ohne Schneemauer und können
schon den Abstieg in Richtung Djöflasandur erahnen. Es zieht sich dann
doch noch etwa 1,5 h nahezu eben über den Gletscher, ehe es merklich
bergab geht.
Außer zum Djöflasandur ist es hier auch möglich in Richtung
des Oddnýarhnúkur abzusteigen. Das ist der kürzere Weg
nach Hveravellir. Da wir es nicht eilig haben, bleiben wir bei unserem
ursprünglichen Plan. Auf den letzen Kilometern genießen wir die
Abfahrt vom Langjökull.
"Unten" - auf ca. 900 m - angekommen, suchen wir bald einen Zeltplatz, solange es noch
tiefen Schnee gibt. Denn inzwischen windet es stark vom Gletscher herunter und das letzte
Jahr hat gezeigt, wie schwierig es ist auf dem harten Hochlandboden mit der dünnen
Schneedecke über der Lava, das Zelt ordentlich zu fixieren. In diesem Jahr dagegen haben sich unsere
Bambustöcke auf dem Gletscher wieder hervorragend bewährt. Wir dokumentieren
noch einmal den
Bau der Schneemauer mit Schneesäge, das letzte Mal.
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7. Tag: Es ist wärmer geworden: Erst schneit es dicke
Pappschneeflocken statt des üblichen Eisgriesel vom Zeltdach,
dann regnet es sogar,
überall sammelt sich Wasser in Lachen auf dem Zeltboden. Draußen dürften es
immer noch etwa - 10 Grad sein, aber hier drin ein riesen Wetterumschwung. Wir beeilen uns
noch vor dem
Frühstück alles wegzupacken, was nicht unbedingt gebraucht wird,
nur die Isomatten müssen bleiben, auch wenn sie nass werden.
Heute halb so wild, da wir jedenfalls Hveravellir erreichen, es sind nur noch
12 km.
Den Müeslilöffel können wir erstmals wieder ohne Handschuhe halten.
Das stabile Winterhoch der letzten Tage ist jetzt offensichtlich am Zusammenbrechen.
Von Süden her ist es bedeckt, im Norden scheint noch die Sonne. Schwach windig.
Die ersten Kilometer bis zur Dauðmannsgíl geht es noch fast 400 Meter bergab,
wir können oft gleiten. Wir umgehen den Gónholl nördlich, wegen
der bereits erwähnten Gefahr sonst zum Toten Mann in der Schlucht abzusteigen.
Klingt wie Schatzinsel. Erwartungsgemäß kommen wir schnell voran, die
Hochebene ist bald erreicht. Die Schneelage ist auch wie erwartet, nämlich
miserabel. Bei einer kurzen Mittagsrast scheuchen wir unabsichtlich einige
Schneehühner auf und gehen dann die restlichen paar km bis Hveravellir.
Es ist Mittwoch und in Hveravellir ist nichts los. Der Warden in der Wetterstation
erwartet uns schon,
da Hjámtýr uns vorsorglich angekündigt hat. Er plaziert uns in
der Hütte direkt neben dem Pool, der optimal temperiert ist, so dass wir
fast den ganzen restlichen Nachmittag darin verbringen. Noch sind wir allein,
am Abend kommen noch zwei Jeepfahrer vom Vatnajökull (!). Für Freitag sind
15 Personen angekündigt.
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8. Tag: Hjámtýr soll uns am Sonntag abholen, solange
bleiben wir hier. Ich kuriere endlich meine Erkältung aus, da nach dem
anfänglichen Halsweh und Schnupfen jetzt der Husten immer schlimmer wird, verbringe
den Tag mit lesen, essen, schlafen.
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9. Tag: Gerd macht eine Skitour auf den Rjúpnafell, ich bleibe,
da immer noch stark hustend. Am frühen Nachmittag ist er zurück, dann kommt
die Vorhut der angekündigten 15 Isländer: Ein "Rescue-Team". Jetzt beginnt
der normale Wochenendbetrieb in Hveravellir: Letzte Woche das Frühjahrstreffen
der Hochland-Trucker, diese Woche der Verband der Lebensretter. Die Lebensretter haben
nicht nur Megajeeps, sondern auch eindrucksvolle Raupenfahrzeuge, die aussehen wie fahrende Tupperboxen. Wohl die Einsatzleitung.
Die Fahrt von Akureyri nach Hveravellir mit diesen Fahrzeugen dauert zwei Tage!
Am späten Abend richtet uns jemand vom Warden aus, dass Hjámtýr uns
schon morgen abholt, da ein Wettersturz angesagt ist: Windgeschwindigkeiten bis 30 m/s
und Plusgrade im Hochland. Bei diesen Bedingungen haben auch die Superjeeps große
Probleme, sich durch den Schneematsch zu kämpfen.
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10. Tag: Hjámtýr ist mit seinen Kollegen in der Nacht
gekommen, wir sehen morgens die beiden Icetravel-Jeeps vor der anderen Hütte. Es ist
jetzt Hochbetrieb in Hveravellir, in unserer Hütte geht es zu wie im Bienenstock.
Früh morgens kommen neue Lebensretter, offenbar von einer Nachtübung,
frische schwärmen aus. Es ist wirklich sehr warm geworden, etwa 3 Grad plus,
kräftiger Wind, aber noch nicht die > 20 m/s. Wir packen, beladen die Jeeps und
beeilen uns wegzukommen.
Ich bin mit Óskar und Hjámtýr im einen Jeep, Gerd mit Úlfar
und Birgi, dem Mechniker der Crew, im anderen. Birgi kommt aus Akureyri und ist, man
glaubt es kaum, das erste Mal im Hochland. Anfangs geht es recht gut, Óskar
donnert zeitweise mit 80 km/h dahin. Wenn man vergessen hat sich anzuschnallen,
denkt man spätestens jetzt dran. Wir halten an, um das Gepäck auf dem Dach
festzuzurren: Der Wind bläst jetzt so stark, dass es schwer ist, die Wagentür
zu öffnen. Wir kommen weiter gut voran bis zum Bláfellsháls. Es liegt fast kein Schnee mehr am Hvítárvatn,
noch weniger als im letzten Jahr. Kurz nach dem Pass bleibt Úlfar in einem
metertiefen Schneematschloch
stecken. Óskar zieht ihn raus, mich bläst es derweil auf dem glitschig-nassen Eis einfach um. So hätte es auch sein können auf dem Langjökull. Über Telefon erfährt Úlfar, dass die Rescue-Teams mit
den Jeeps nicht mehr durchkommen und auf Motorschlitten umgestiegen sind. Die Jungs
von Icetravel hatten Recht damit, uns so schnell rauszuholen. Nach etwa drei Stunden
seit Hveravellir erreichen wir den Gullfoss.
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